Von der Gründung bis zum Dreißigjährigen Krieg (815-1648)

Um im Osten des fränkischen Reichs eine sichere Glaubensbastion zu haben, wollte Karl der Große in der Nähe der Weser-Grenze ein Kloster errichten. Sein Sohn Kaiser Ludwig der Fromme gründete 815 die von Corbie abhängige Propstei Hethis, aus der später Corvey hervorging. Wegen der ungünstigen Lage baten die Benediktinermönche aus dem westfränkischen Kloster Corbie an der Somme (Nordfrankreich) den Kaiser bald um Land an geeigneterer Stelle. Ludwig der Fromme erwarb 822 die Weseraue in der Nähe des heutigen Höxter, wohin die Mönche aus Hethis umzogen. 826 wurde das Kloster selbstständig. Seinen Namen erhielt die neue Ansiedlung von seinem Mutterkloster Corbie, das auf lateinisch „Corbeia" hiess. Aus „Nova Corbeia" - dem „neuen Corbie" - wurde schließlich der Name Corvey.

Mit dem Bau der 844 geweihten Klosterkirche wurde um 830 begonnen, eine schmale dreischiffige Basilika mit Querschiff und Umgangsapsis. Die Bedeutung Corveys in dieser Zeit bezeugen die Hauptpatrozinien St. Stephanus und St. Vitus. Ludwig der Fromme stiftete die Reliquien des Erzmärtyrers aus seiner Privatkapelle in Paris; die Reliquien des Heiligen Vitus wurden 836 aus der Grabeskirche der französischen Könige in St. Denis bei Paris nach Corvey überführt. Dieser Heilige machte Corvey zu einem bedeutenden Wallfahrtsort; von hier aus wurden zahlreiche Veits-Patrozinien nach Süd- und Südosteuropa getragen. Auch die Missionierung des Nordens ist untrennbar mit Corvey verbunden. Der Heilige Ansgar gelangte als Corveyer Mönch bis nach Skandinavien. Mit der geistigen Blüte ging in den ersten vier Jahrhunderten auch eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte einher. So besaß Corvey eine bedeutende Schreibschule (Skriptorium) und eine Bibliothek mit herausragenden Objekten der Buch- und Schreibkunst. Hier wurden die antiken Schriftsteller gepflegt.

Ab dem 10. Jahrhundert löste sich Corvey von der westfränkischen Kultur, womit der unauf-haltsame Niedergang begann. Der letzte bedeutende Abt des ausgehenden Mittelalters war Wibald von Stablo (1146-1158). Er baute das Westwerk zur heutigen Zweiturmanlage um. In seine Regierungszeit fiel die Verleihung des Titels „Reichsabtei" durch Kaiser Konrad III. 1220 erfolgte die Erhebung zur Fürstabtei. Das Kloster litt in den folgenden Jahrhunderten unter Kriegsereignissen und Misswirtschaft. Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wurden die Gebäude vollständig zerstört.

 
Saison 2010
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