Vor 500 Jahren

 

Vor 500 Jahren

Der Kaiser ist tot – Es lebe der Kaiser

Maximilian I. und Karl V.

(Erinnerung an das Jahr 1519)

Fürstliche Bibliothek Corvey

– Alte Bibliothek am Geweihgang –

6. April bis 20. August 2019

Am 12. Januar 1519 starb Kaiser Maximilian I. Noch im selben Jahr wurde dessen Enkel als Karl V. sein Nachfolger und Kaiser des Sacrum Romanum Imperium, des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. An dieses denkwürdige Ereignis vor nunmehr 500 Jahren wird in diesem Jahr an zahlreichen historischen Stätten in Deutschland und Österreich mit Ausstellungen über die beiden großen Persönlichkeiten aus dem Geschlecht der Habsburger erinnert. So auch in Corvey.

Beide „römisch-deutschen“ Herrscher gehören zweifellos zu den bedeutendsten in der Neuzeit. Und sie wurden in eine politisch unruhige Zeit hineingeboren, obwohl der Dreißigjährige Krieg und der Westfälische Friede noch in weiter Ferne lagen.

Es war in erster Linie die Reformation, die mit Martin Luther zunächst bereits Maximilian beschäftigten sollte, vor allem aber seinem Nachfolger Karl V. über Jahre zu schaffen machte. Schmalkaldischer Bund und Augsburger Konfession sind sicherlich die „Eckpunkte“ einer politisch sehr unruhigen Zeit.

In Corvey regierte zu dieser Zeit Fürstabt Franz von Ketteler (1504-1547). Er gilt als einer der bedeutenden Äbte der frühen Neuzeit und ging als „Reformabt“ in die Geschichte Corveys ein. So setzte er den Anschluss Corveys an die Bursfelder Kongregation durch und bewirkte damit eine innere Reform des Klosterlebens. Baulich manifestiert sich sein Wirken im Bau der Turmhelme und der Restaurierung des Westwerks. Trotz aller kraftvoller Bemühungen konnte er nicht verhindern, dass sich 1533 in Höxter die Reformation durchsetzte.

Mit Kaiser Karl IV. bricht kurz vor dem Jahre 1400 vorerst die „Erinnerungskultur“ des Corveyer Konvents ab. Sie beginnt wieder mit Kaiser Karl VI. mit dem Aufbau der barocken Residenz und endet mit der Auflösung des „Alten Reiches“ 1806 unwiderruflich. Dennoch ist Corvey nach wie vor reichsunmittelbare Abtei und in weltlichen Dingen von der kaiserlichen Administration in Wien abhängig, doch dieses ist weit entfernt. Zudem hat man im Kaisersaal einen repräsentativen Ort, der selbstbewusst an diese Funktion erinnert.

Heute besitzt die Fürstliche Bibliothek Corvey verschiedene Objekte, die an das römisch-deutsche Kaisertum sowie an die beiden bedeutenden habsburgischen Kaiser Maximilian I. und Karl V. erinnern. Spektakulär sind zum Beispiel das „Kleine Kaiserrecht“ (Sachsenspiegel), eine Handschrift aus dem 15. Jahrhundert, und zudem die „Leithandschrift“ aller erhaltenen Rechtshandschriften dieses Genres. Nicht weniger spektakulär ist das „Wappenbuch“ Karls des V. aus dem Jahre 1544. Es ist eine prachtvolle Handschrift, die zu seinen Ehren angefertigt wurde und die Stände des Heiligen Römischen Reichs darstellt. Aus der Zeit seines Großvaters sind Nachdrucke der von Albrecht Dürer angefertigten Darstellung des Triumphzuges und der Ehrenpforte für Kaiser Maximilian vorhanden.

Die Ausstellung zeigt eine repräsentative Auswahl dieser erhaltenen Stücke als Erinnerung an die Zeit vor 500 Jahren, als Corveys Reichsabtei war und die römisch-deutschen Herrscher Maximilian und Karl Geschichte geschrieben haben!