Via Nova Kunstfest Corvey

 

 

Ouvertüre vom 31. August bis 2. September 2018

Das kulturelle Erbe sichtbar machen, die steinernen Mauern des Westwerks und der Civitas zum Sprechen bringen – das will ‹Via Nova – Kunstfest Corvey› in den nächsten Jahren unternehmen. Der Name Via Nova knüpft an der alten Bezeichnung Corbeia Nova an, und wie eine Via Regia verbindet das Kunstfest in neuer Weise Corvey mit Europa und Geschichte mit lebendiger Gegenwart.

Das ehemalige Benediktinerkloster Corvey ist seit 2014 UNESCO-Weltkulturerbe mit dem karolingischen Westwerk und der Civitas Corvey. Es war über Jahrhunderte ein kulturelles, geistiges und wirtschaftliches Zentrum. Zunächst diente es als Stützpunkt des fränkischen Kaisers Ludwig des Frommen gegen die widerständigen Sachsen. Hier hielten die römisch-deutschen Kaiser und Könige bis zum Ende des 12. Jahrhunderts über zwanzigmal ihre Hoftage ab. Die karolingische Renaissance wurde vorbereitet durch arabische Einflüsse in Spanien mit ihrem Wissen und den Handschriften und durch die westgotische Kulturtradition. Sie führte bis nach Corvey; die Christianisierung von Corvey aus über Bremen in den Norden und den Osten Europas. Dabei fand ein großer Kulturtransfer statt. Das Westwerk ist das Zeichen für die weltliche und zugleich die geistliche Macht. In der Civitas Corvey mit dem mittelalterlichen Skriptorium jedoch liegen die Wurzeln für das geistige und kulturelle Zentrum Corveys. 

‹Ein Wald von Symbolen – ein Himmel voller Gedanken› unter diesem Motto widmet sich die Ouvertüre der Schönheit alter Kapellen, Kirchen und Kathedralen. Alles, was der mittelalterliche Mensch über die göttliche Offenbarung wußte, teilte sich ihm sinnlich in der sakralen Architektur, in Liturgie und den Kultgeräten mit. Alles hatte  eine symbolische Bedeutung. Im Westwerk von Corvey war dies das purpurne Licht, das zunächst auf den weltlichen Herrscher von Gottes Gnaden fiel und erst dann den Altar beleuchtete. Verschiedene Traditionen wurden überschrieben und adaptiert: der heilige Bezirk der Germanen wird nun der geweihte Raum der Kirche, die Glocken, die Dämonen vertreiben konnten, rufen nun die Gläubigen, die Kerzen, aus dem jüdischen Brauch übernommen, vertreiben die Dunkelheit und brennen nun auf den Altären, der aus dem Orient stammende Weihrauch steigt wie ein Gebet zum Himmel auf. Als kultisches Vorbild diente in karolingischer Zeit die römische Liturgie, wobei besonders hinsichtlich des Zeremoniells auch spätrömische und byzantinische Einflüsse wirksam wurden. Beides ist anschaulich in Corvey zu erleben in der Krypta und im Westwerk mit den über Rom überlieferten antiken Fresken aus der Odyssee.

Die Sakralbauten sind poetische Räume.  Im Schreiben über sie und im Konzertieren verdichtet sich die gebaute Form und Linie, das literarische und musikalische Kunstwerk ist Anklang und Widerhall zugleich.

Freitag, 31. August 2018

CIVITATEM ISTAM TV CIRCVMDA D(omi)NE ET ANGELI TVI CVSTO DIANT MVROS EIVS

‹Umhege, o Herr, diese Stadt, und laß deine Engel die Wächter ihrer Mauern sein›

Das Westwerk von Corvey ist ein einzigartiges karolinigisches Bauwerk aus dem 9. Jahrhundert, das in den wesentlichen Teilen erhalten geblieben ist. Es vereint Innovation mit dem Rückgriff auf antike Vorbilder und hat die abendländische Architektur bis zum Ende der Romanik ganz wesentlich mit geprägt. Unter dem Schutz der Karolinger und privilegiert mit freier Abtwahl und Immunität erlangte die Abtei Corvey in kürzester Zeit die unangefochtene Vorrangstellung unter den geistlichen Zentren und gehörte zu den einflußreichsten Klöstern des Frankenreiches. Sein missionarischer Auftrag war von großer Bedeutung für die politisch-religiösen Prozesse weiter Teile Europas.

Das Symposium beschäftigt sich mit der Präsentation des materiellen und des immateriellen Erbes der Weltkulturstätte Corvey. Die Abendveranstaltung wendet sich der Gründung Corveys zu. Welche Faszination und Anziehungskraft besaßen die Reliquien! In einer Welt, in der sich Himmel und Hölle begegnen, helfen sie den Kräften des Guten. Davon spricht der zeitgenössische Bericht  über die Translation der Reliquien des Heiligen Vitus aus Saint-Denis im Jahr 836 nach Corvey. Die poetischen Schilderungen des 20. Jahrhunderts staunen über die Schönheit Corveys, während die Gedichte die wohl in jedem Menschen verborgene Sehnsucht nach Spiritualität ausdrücken. Idylle und Requiem, Ernst und Heiterkeit wechseln in Johannes Brahms Klaviertrios.

 

Freitag, 31. August 2018            Symposium

Corvey, Schloßrestaurant

14.00 Uhr, Vorträge

Die Präsentation des materiellen und immateriellen Erbes der Welterbestätte Corvey. Ideen und Planungen.

Vorträge von Fachleuten aus Wissenschaft und Kultur sowie Expertengespräche. Mit Dr. Ursula Sinnreich, Generalsekretärin der Kunststiftung NRW,  Prof. Dr. Eva Maria Seng, Lehrstuhl für Materielles und Immaterielles Kulturerbe an der Universität Paderborn, Dr. Brigitte Labs-Ehlert, Literaturwissenschaftlerin und Germanistin, Prof. Dr. Christoph Stiegemann, Erzbischöfliches Diözesanmuseum Paderborn, und anderen.

Eintritt frei; eine Platzreservierung beim Kartenbüro wird empfohlen

 

Freitag, 31. August 2018                Lesung / Konzert

Corvey, Kaisersaal

18.00 Uhr Einführung

 

Brigitte Labs-Ehlert Die Geburt der Civitas Corvey

 

Lesung

Dörte Lyssewski und Jens Harzer

‹Ein steinernes Feld, eine Halle, ein Wald›

Corvey und die Spiritualität –

Texte u. a. von Jürgen von der Wense, Konrad Weiss,

Gedichte von Hugo Ball, Christine Lavant und

Ingeborg Bachmann

Bühnenbild Rohullah Kazimi

 

Konzert

Johannes Brahms

Klaviertrio H-Dur op. 8

Klaviertrio c-Moll op. 101

Christian Tetzlaff Violine Tanja Tetzlaff Cello

Lars Vogt Klavier

Pause 30 Min., Ende ca. 21.15 Uhr

Eintritt 50 / 40 / 25 / 15 €

Tickets

Flyer herunterladen

 

Samstag, 1. September 2018

Bursfelde wurde 1093 als Benediktinerabtei gegründet und mit Mönchen aus Corvey besetzt. Beeindruckend ist die Basilika mit ihren Wandmalereien aus romanischer Zeit, an die sich die wenig später errichtete prächtige Ostkirche anschließt. Hier findet sich auch die Darstellung des Hl. Nikolaus, einer der Patrone der Klosterkirche. Im 12. Jahrhundert treten moralische Mißstände auf, die erst mit der Bursfelder Kongregation überwunden werden. Von solchen schweren Krisen und Urkundenfälschungen spricht auch Umberto Ecos Roman.

Die Kunst ist der alles prägende und beleuchtende Faktor neben der Natur, der Gesellschaft, dem Leben in Marcel Prousts ‹Recherche›. Er kannte die großen Kathedralen Frankreichs und läßt die Kirchtürme, Portale, Kirchenschiffe, Kapitelle gleichsam selbst zu Wort kommen. Es gibt viele Stellen im Proustschen Werk, an denen der Schriftsteller Architektur in Poesie verwandelt und umgekehrt. ‹Proust hat seine ‚Kathedrale’ mit der gleichen Opferbereitschaft, Gewissenhaftigkeit und Liebe erbaut wie die Gläubigen des Mittelalters die ihren, und er hat, wie der letzte Satz der Wiedergefundenen Zeit uns lehrt, seine ‚Figuren’ in die gleiche Dimension der Ewigkeit gestellt. In seinem Glanzstück über die Dorfkirche in Combray nennt er sie ‚die vierte Dimension der Zeit’.› Das schreibt Anita Albus in ihrem Essay zu Proust. Die legendäre Schauspielerin Barbara Nüsse springt für die erkrankte Schriftstellerin Anita Albus am 1. September ein und liest deren Text zu Marcel Proust und der wiedergefundenen Zeit. Barbara Nüsse ist die Grande Dame des deutschsprachigen Theaters, für die TAZ ein Grund, weswegen die Berliner nach Hamburg ins Theater fahren sollten.

Während in Bursfelde die ältesten überlieferten Gesänge von Godric of Finchale, dem Kaufmann und Eremiten aus dem 11. Jahrhundert, den Klang der alten Basilika aufleben läßt, führt das Konzert am Abend vom einstimmigen liturgischen Gesang in die Mehrstimmigkeit, wie sie von Perotinus für die gotische Kirche Notre Dame in Paris geschrieben wurde, hin zum Tintinnabuli-Stil von Arvo Pärt.

 

Samstag, 1. September 2018             Exkursion

Bursfelde

Mit dem Bus ab Schloß Corvey 10.00 Uhr

 

11.00 Uhr Matinee

‹Höre, was am Ort klingt›

Lesung

Hans Kremer liest Umberto Eco

‹Der Name der Rose. Sexta›

 

Konzert

Anna Maria Friman Gesang, Hardangerfiedel, Shrutibox

Arve Henriksen Trompete, Gesang

Catalina Vicens Organetto

‹Sainte Nicholas, Godes Druth›

Führung

Pfarrer Klaus-Gerhard Reichenheim

Imbiß in der Klostermühle Bursfelde

 

Rückkehr ca. 15.30 Uhr

Eintritt 35 €

Tickets 

Flyer herunterladen

 

 

Samstag, 1. September 2018      Lesung / Konzert

Corvey, Kaisersaal, Johannischor und Barockkirche

 

18.00 Uhr Einführung

Von Corbie nach Corvey

 

Lesung

Barbara Nüsse

‹Im Licht der Finsternis. Über Proust›

 

Lesung

Wolfram Koch liest Marcel Proust

‹Wie liebte ich diese Kirche›

 

Konzert

Vox Clamantis

‹Kleine Litanei›

Gregorianische Gesänge, Magister Perotinus, Arvo Pärt

Pause 30 Min., Ende ca. 21.15 Uhr

Eintritt 50 / 40 / 25 / 15 €

Tickets

Flyer herunterladen

 

Sonntag, 2. September 2018

Altertumswissenschaftler vermuten, daß sich auf dem Heiligenberg eine alte sächsische Opferstätte befand, an deren Stelle der Corveyer Mönch Humbert 1079 eine Basilika errichten ließ – ‹auf einem Berge gegenüber unserer Stadt›. Es ist die einzige Kultstätte im deutschsprachigen Raum, an der die St. Maria Salome verehrt wird, die der Überlieferung nach in einem Ort in Südfrankreich gelandet ist, der Saintes-Maries de la Mer genannt wird. Was die Extreme Heil und Hölle, Helle und Höhle verbindet und abgrenzt, macht der Philosoph  Vilém Flusser am Phänomen der Wand deutlich.

So wie die Translation der Reliquien des Hl. Vitus aus Saint-Denis im Jahr 836 maßgeblich zur einflußreichen Position Corveys beigetragen hat, so wird die Bedeutung Vitus als Reichsheiliger noch einmal 1355 hervorgehoben, als Kaiser Karl IV. dessen Haupt von Corvey in den Prager Veitsdom überführen ließ. Der Reliquienkult ist keine bloß christliche Angelegenheit, Plinius etwa berichtet von kostbaren Reliquien der griechisch-römischen Zeit: eine Sandale Helenas oder Knochen des Ungeheuers, das Andromeda bedrohte. Im Mittelalter stellte eine Reliquie für eine Stadt und eine Kirche eine Attraktion dar und besaß unschätzbare Anziehungskraft für Pilger aus aller Welt. Einmal die Hunde des heiligen Wenzel im Veitsdom lebendig erleben, davon erzählt der Nobelpreisträger Jaroslav Seifert, aber auch von der kleinen Kapelle, in der seine Mutter Trost fand. Wie sich Scholastik und Ästhetik im Veitsdom, diesem wahrlich europäischen Bauwerk, widerspiegeln, davon handelt die Rede.  Das Konzert adaptiert alte geistliche Gesänge, Volksmelodien und hebräische Lieder; über allem schwebt eine leichte Traurigkeit und ein Hauch von Hoffnung.

 

Sonntag, 2. September 2018             Exkursion

Heiligenberg

Mit dem Bus ab Schloß Corvey 10.30 Uhr

 

11.00 Uhr Matinee

auf dem Berge gegenüber unserer Stadt›

Lesung

Hans Kremer liest Vilém Flusser

‹Wände›

 

Konzert

Anna Maria Friman Gesang, Hardangerfiedel, Shrutibox

Arve Henriksen Trompete, Gesang

Catalina Vicens Organetto

‹Sainte Marië Viërgenë›

 

Imbiß im Klosterkrug Marienmünster

 

Rückkehr ca. 15.00 Uhr

Eintritt 35 €

Tickets

Flyer herunterladen

 

 

Sonntag, 2.  September 2018      Lesung / Konzert

Corvey,  Barockkirche und Kaisersaal

 

18.00 Uhr Einführung

Von Corvey nach Prag

Rede

Jiří Kuthan

‹Im gotischen Dom zu St. Veit›

 

Lesung

Martina Gedeck liest Jaroslav Seifert

‹Alle Schönheit dieser Welt›

 

Konzert

Albion String Quartet

Antonín Dvořák ‹Slawisches Quartett›, Es-Dur, op. 51

 

Konzert

Martinů Voices

Bohuslav Martinů ‹České madrigaly› H 278

Gustav Mahler ‹Urlicht›, ‹Scheiden und Meiden›,

‹Ich bin der Welt abhanden gekommen›

Martinů Voices und Albion String Quartet

Eric Whitacre ‹Five Hebrew Melodies›

 

Eintritt 50 / 40 / 25 / 15 €

Tickets 

Flyer herunterladen

 

 

Impressum

Via Nova Kunstfest Corvey gGmbH

Schloß Corvey

37671 Höxter

Michael Funk Geschäftsführung

Brigitte Labs-Ehlert Künstlerische Leitung

 

Kartenbestellung

Telefonische Kartenbestellung von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr unter

05231/570150

Sie können Ihre Karten auch per email unter vianova@corvey.de bestellen.

 

Eintrittspreise

Kat. A 50 / 40 erm., Abo 120 €, Abo inkl. Exkursionen 180 €,

Kat. B 40 / 32 erm., Abo 100 €, Abo inkl. Exkursionen 160 €,

Kat. C 25 / 20 erm., Abo 60 €, Abo inkl. Exkursionen 110 €

Unter 26 Jahre 15 €, Abo 40 €, Abo inkl. Exkursionen 70 €

Ermäßigungen erhalten Erwerbslose und Schwerbehinderte (ab 60%)

Bei den Exkursionen sind die angegebenen Speisen sowie die Bustransfers im Eintrittspreis enthalten.

Kartenrücknahme nur bei ausverkauften Veranstaltungen zum kommissionsweisen Verkauf gegen eine Stornogebühr von 10 € pro Karte.

 

Plätze

Die Plätze sind nummeriert und werden in der Reihenfolge der Bestellung vergeben. In der Barockkirche besteht freie Platzwahl innerhalb der gewählten Kategorie.

Rollstuhlplätze sind im Kaisersaal und in der Barockkirche verfügbar. Der Johannischor ist nicht barrierefrei.

Programmänderungen sind nicht beabsichtigt, jedoch vorbehalten und berechtigen nicht zur Rückgabe der Karten.

 

Bestellung Programmheft, Kartenvorreservierungen:

05231 570150

vianova@corvey.de

Flyer herunterladen