Die Welt zu Gast

Leistungsschauen der Gründerzeit

Weltausstellungen in London, Paris und Wien

 

Sonderausstellung in der Fürstlichen Bibliothek Corvey

vom 6. April bis 1. November 2019

Mit dem Beginn der Industrialisierung etablierten sich etwa ab der Mitte des 19. Jahrhunderts Weltausstellungen als technische und kunsthandwerkliche Leistungsschauen in internationalem Rahmen. Die Bezeichnungen Exposition Universelle Internationale, Exposition Mondiale oder World’s Fair unterstreichen die hohen Ambitionen der beteiligten Staaten. Zielsetzung und Anspruch manifestieren sich daher von Beginn an durch eine interessante Architektur. Die oft aufwendig gestalteten und teuren Pavillonbauten versuchen, das Charakteristische des jeweiligen Landes hervorzuheben.

Die erste Weltausstellung fand auf Anregung von Prinz Albert 1851 im Londoner Hyde Park statt. Hierfür wurde eigens ein spektakulärer Kristallpalast aus Glas und Eisen errichtet, so dass sich die Welt unter dem großen Dach eines einzigen Gebäudes vereinigte. Mit der Ausstellung 1867 in Paris konnte der Platzbedarf so jedoch nicht mehr gedeckt werden, wodurch man sich gezwungen sah, für die teilnehmenden Länder separate Pavillons zu errichten. Dieses Konzept der Länderpavillons hat sich bis heute gehalten. Unvergessen für Corvey als dezentralem Standort ist die „EXPO 2000“ in Hannover.

Bis zur Jahrhundertwende gab es zahlreiche Weltausstellungen, von denen jede ein besonderes Programm in den Mittelpunkt stellte. In der Fürstlichen Bibliothek Corvey sind von den folgenden Standorten Materialien vorhanden: London (1862), Paris (1867, 1878, 1889) und Wien (1873). Als die wohl nachhaltigste wird die Pariser Weltausstellung von 1889 angesehen. Immerhin war sie der Anlass zur Errichtung des Eiffelturms. Die Wiener Weltausstellung von 1873 zeichnete sich vor allem durch die markante Stilbildung der Neo-Renaissance aus, was vor allem im Kunsthandwerk zum Tragen kam.

Die Weltausstellungen zogen als „Assistenz“ zahlreiche weitere Einzelausstellungen in den Metropolen nach sich, die ausgesuchte Interessengruppen bedienten. So wechselten Gewerbe- und Jagdausstellungen mit Kunst- und Theaterschauen einander ab. Sie alle zogen europaweit ein nicht  nur fachlich interessiertes Publikum an. Legendär waren z.B. die Berliner Gewerbeausstellung von 1879 sowie die Wiener Musik- und Theaterausstellung von 1892. Eine interessante Nachwirkung ist auch, dass 1867 in Berlin das „Deutsche Gewerbe-Museum“ mit Exponaten der Pariser Weltausstellung von 1867 eröffnet wurde. Als Vorsitzenden gewann man Viktor I. Herzog von Ratibor, der dieses Amt bis zur Übernahme des Museums in den Verbund der Staatlichen Museen 1885 innehatte.

Zu sehen sind zahlreiche, zum Teil prachtvolle Werke zu den einzelnen Ausstellungen und ihren Metropolen. Die gezeigten Bilder und Ansichten dokumentieren eine Zeit des industriellen, gewerblichen und gesellschaftlichen Aufbruchs und der Neuerungen, die sich gemeinhin als „Gründerzeit“ einen Namen machte.