Il Mondo in Fuga

 

Die Villa Romana-Preisträger 2016 / 2017

Sonderausstellung im Museum Corvey vom 29. Juni bis 1. November 2018

Andrea Bellu/Matei Bellu, Carina Brandes, Kasia Fudakowski, Stefan Pente, Flaka Haliti, Farkhondeh Shahroudi, Stefan Vogel, Nico Joana Weber, Jonas Weichsel

Eröffnung am 29. Juni um 18.00

mit Musik von Ludwig van Beethoven, Claude Debussy, Tan Dun und der Uraufführung der Auftragskomposition Walter Steffens "BOTSCHAFTEN AUS UR", op. 103 nach Skulpturen von Farkhondeh Shahroudi. Am Piano: Linlin Fan

Einladung zur Eröffnung

 

Der Villa Romana-Preis ist der älteste Kunstpreis in Deutschland. 1905 von einem Kreis von Künstlern um Max Klinger initiiert, hat er mit namhaften Preisträgern wie Max Beckmann (1906), Käthe Kollwitz (1906), Ernst Barlach (1908), Emy Roeder (1936), Georg Baselitz (1965), Michel Buthe (1976) oder Anna Oppermann (1977) die Kunstgeschichte der Moderne mitgeschrieben. Jahr um Jahr gibt er herausragenden bildenden Künstlerinnen und Künstlern, die in Deutschland leben, die Möglichkeit, sich während eines zehnmonatigen Aufenthalts in Florenz auf die Entwicklung ihrer künstlerischen Arbeit zu konzentrieren.

Im Anschluss an ihre Florentiner Zeit werden in Kloster Corvey nun Arbeiten der letzten beiden Jahrgänge präsentiert. Andrea Bellu/Matei Bellu, Carina Brandes, Kasia Fudakowski, Stefan Pente und Farkhondeh Shahroudi wurden von den Juroren Natascha Sadr Haghighian (Künstlerin) und Moritz Wesseler (Direktor des Kölnischen Kunstvereins) für den Villa Romana-Preis 2017 nominiert. Die Auswahl der Preisträger 2016 - Flaka Haliti, Stefan Vogel, Nico Joana Weber, Jonas Weichsel - trafen die Künstlerin Katharina Grosse und Bettina Steinbrügge, Direktorin des Kunstvereins in Hamburg.

Unter dem Titel IL MONDO IN FUGA (Welt auf der Flucht) vereint die Ausstellung aktuelle fotografische und malerische Positionen, Skulpturen, Installationen und Film - Werke, die zum Teil eigens für die Ausstellung konzipiert wurden.

Die Künstler:

Andrea Bellu und Matei Bellu spüren in ihren Filmen, Zeichnungen, Texten und Installationen Risse und Fehlstellen in historischen Narrationen auf und übertragen diese in eine reduzierte Bildsprache. Ausgehend von migrantischen, postkolonialen und feministischen Perspektiven beschäftigen sie sich mit Auslassungen und Unterschlagungen im gegenwärtigen Alltag.

Carina Brandes arbeitet mit dem Medium der analogen Schwarzweiß-Fotografie, die sie im Labor selber entwickelt. Meist steht sie als Akteurin vor der Kamera und inszeniert sich in ebenso beiläufigen wie dramatischen Situationen, die zwischen kontrollierter Anordnung und Kontrollverlust changieren.

Kasia Fudakowski arbeitet in ihren Skulpturen und Installationen sowohl mit abstrakten wie figürlichen Elementen, die sie manchmal in performativen Akten selbst persifliert. Häufig unterliegt ihren Werken die Struktur des Witzes oder der Comic-Theorie, indem sie einen unbewussten und emotional aufgeladenen Bedeutungssprung verkörpern.

Stefan Pente beschäftigt sich in seinen installativen, performativen und filmischen Arbeiten, die sich so weit als möglich einer sprachlichen Erfassung entziehen, mit der Konstruktion von Identität mittels Beschreibungen, Zuschreibungen und Kategorisierungen. Er hinterfragt die Notwendigkeit von und Motivation für Darstellungen des exotischen Anderen.

Farkhondeh Shahroudis Skulpturen, Objekte und Installationen sind aus Textilien und Garn gefertigt, neuere Arbeiten auch aus Leder oder Haaren. Ihre zum Teil großformatigen Skulpturen sind von Erfahrungen der Sprachlosigkeit gezeichnet und eröffnen - im Zusammenspiel von Körper und Text - zugleich poetische Räume.

Flaka Haliti thematisiert in ihren ebenso kritischen wie poetisch-intimen Arbeiten Erfahrungen der Migration zwischen Kulturen und gesellschaftlichen Systemen sowie die Konstruktion von Grenzen und Ausgrenzungen. Ihre Werk-Serie "Is it you, Joe" versteht sie als strategische Antwort auf den Druck, dem sie als Künstlerin mit zunehmendem Erfolg ausgesetzt ist.

Stefan Vogel sucht in seinen Malereien, Collagen und Installationen den lautlosen Zusammenprall von Repräsentation und Wertlosigkeit, Minimalismus und Emotion, Abstraktion und Alltag. Ob es um großformatige Architekturen oder kleinste Details geht, in Stefan Vogels Werk durchlebt alles eine Metamorphose zwischen Imagination und Absturz.

Nico Joana Weber untersucht in Ihren Filmen und Videoinstallationen modernistische Architekturen, deren subjektive Nutzungen und gesellschaftliche Transformationsprozesse. Dabei bezieht sie sich u.a. auf das Konzept Le Corbusiers einer "promenade architecturale", eines Erfassens von Architektur durch Beobachtung und Bewegung.

Jonas Weichsel konfrontiert in seiner abstrakt-formalen Malerei digital generierte Bildraum-Konzepte mit malereispezifischen Techniken wie z.B. Interferenzfarben. Perfektion und Abstraktion generieren im Zusammenspiel mit der Konkretion des Materials ebenso subtile wie komplexe Wahrnehmungsverschiebungen.