
Corvey besitzt das älteste und einzige fast vollständig erhaltene karolingische Westwerk. Der zentrale, dreiseitig von Emporen umgebene Hauptraum im Obergeschoss greift in seiner Form und seiner ursprünglichen künstlerischen Ausstattung auf antike Vorbilder für weltliche Repräsentationsräume zurück.
Die Ausstattung mit lebensgroßen Stuckfiguren, der farbigen Raumfassung mit architektonischen Gliederungen, ornamentalen Friesen und mythologischen Wandmalereien, die das einzig bekannte Beispiel von Wandmalereien christlich umgedeuteter antiker Mythologie in karolingischer Zeit darstellen, ist in wesentlichen Teilen erhalten und nahezu lückenlos nachvollziehbar.
Damit ist das Westwerk eines der herausragendsten Zeugnisse der "karolingischen Renaissance".

Corvey gehörte zu den einflussreichsten Klöstern des Frankenreiches. Sein missionarischer Auftrag war von großer Bedeutung für die politisch-religiösen Prozesse weiter Teile Europas. Auf einer aus der Erbauungszeit stammenden Inschriftentafel wird der archäologisch nachweisbare Klosterbezirk als Civitas bezeichnet.
Mit seinem bedeutenden Skriptorium und einer der herausragendsten Bibliotheken seiner Zeit war das Kloster kulturelles und geistiges Zentrum zugleich. Als Reichsabtei hatte Kloster Corvey nicht nur geistige und geistliche Funktion im Hinblick auf die Missionierung Sachsens und angrenzender Bereiche, sondern auch politische und wirtschaftliche Bedeutung als Vorposten des fränkischen Reiches am Rande der damaligen christlichen Welt.
Die Stadtwüstung im Umfeld von Westwerk und Klosterbezirk bewahrt die archäologischen Zeugnisse einer überaus bedeutenden früh- und hochmittelalterlichen Siedlung.
Wenn Corvey zum Weltkulturerbe wird, bedeutet das auch für Höxter und die Region:
Wir wollen das Weltkulturerbe für Corvey!


